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Wie gehe ich mit der Angst um, vor Menschen zu sprechen?

Das Ziel ist nicht, die Angst loszuwerden. Das schaffst du nicht, und du brauchst es auch nicht.

Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut bedeutet, sie zu fühlen und trotzdem zu handeln.

Ich kenne kaum jemanden, der vor einem wichtigen Auftritt nichts spürt. Der Unterschied zwischen erfahrenen und unerfahrenen Rednern liegt nicht darin, ob sie nervös sind. Er liegt darin, was sie mit der Nervosität machen.

Woher die Angst kommt

Es hilft, sie einordnen zu können. Die häufigsten Ursachen:

Keiner dieser Punkte ist ein Defekt. Und keiner davon verschwindet dadurch, dass du dich zusammenreisst.

Vor dem Auftritt

Angst ist Energie im falschen Kanal. Der Körper hat sich auf Kampf oder Flucht vorbereitet, und du sollst stattdessen reden. Also gib der Energie einen Ausgang, bevor du auf die Bühne gehst.

Beweg dich. Kurz gehen, Treppen steigen, ausschütteln. Somatisches Schütteln klingt albern und wirkt sofort.

Atme bewusst. Drei Runden Wim-Hof-Atmung aktivieren Körper und Kopf. Wenn du eher runterkommen musst, nutze die 4-7-8-Technik: vier Sekunden einatmen, sieben halten, acht ausatmen.

Sag laut, warum deine Botschaft wichtig ist. Nicht denken, laut sagen. Das verschiebt den Fokus von dir auf die Sache.

Und dann leg los. Motivation kommt oft erst, wenn du anfängst. Warten auf den perfekten Moment ist Selbstsabotage.

Energie ist keine Stimmung, sondern eine Entscheidung.

Während des Auftritts

Wenn du zu schnell wirst: mach eine Pause. Wenn wir nervös sind, füllen wir jede Lücke. Aber die Macht liegt in der Pause. Sag einen Punkt. Dann halt die Klappe. Lass die Stille wirken. Du musst nicht mehr sagen, um mehr zu bedeuten.

Wenn du den Faden verlierst: niemand kennt dein Skript. Sag einfach das Beste, was dir gerade einfällt, und geh weiter. Wenn dir zwei Minuten später das perfekte Wort einfällt, sag "vorhin meinte ich eigentlich". Das wirkt souverän, nicht unsicher.

Wenn du bei einer Frage blockierst: nutze eine Struktur. "Der eine Punkt ist..." gibt dir einen Halt, während dein Kopf wieder anläuft. Oder PEP: Punkt, Beispiel, Punkt. Sag deine Hauptaussage, bring ein Beispiel, wiederhol den Punkt.

Stell die Füsse bewusst auf den Boden. Klingt banal. Funktioniert.

Struktur gibt Sicherheit. Perfektion tötet Präsenz.

Der grösste Hebel: dreh den Fokus nach aussen

Das ist der Punkt, der bei fast allen am meisten verändert.

Solange du dich fragst "wie komme ich rüber", bist du dein eigenes Publikum. Und du bist ein sehr strenges.

Frag stattdessen: Was braucht die Person vor mir gerade?

Selbstzweifel lösen sich, wenn du echt interessiert bist. Aufmerksamkeit heilt Unsicherheit. Das ist kein Trick, sondern schlicht die Tatsache, dass dein Kopf nicht gleichzeitig bei dir und beim Gegenüber sein kann.

Und der Satz dahinter, den ich mir selbst oft sage: Du bist nicht da, um zu beeindrucken. Du bist da, um zu bereichern.

Nach einem schlechten Auftritt

Jeder gute Speaker ist schon abgestürzt. Entscheidend ist nicht, ob es passiert, sondern was danach kommt.

Drei Schritte:

Selbstvertrauen kommt nicht vom Vermeiden von Fehlern. Es kommt davon, dass du danach weitermachst.

Und noch etwas: Dass du dich überhaupt ärgerst, zeigt, dass dir Qualität wichtig ist. Selbstzweifel sind ein Zeichen von Anspruch, nicht von Schwäche. Menschen, denen es egal ist, zweifeln nicht.

Wenn du denkst, andere wissen mehr

Diesen Satz höre ich oft: "Warum sollte jemand ausgerechnet mir zuhören?"

Weil dein Blickwinkel zählt. Du musst nicht die klügste Person im Raum sein, um Wert zu liefern. Manchmal bringt genau deine Frage jemand anderen auf eine gute Idee.

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